Kostenkontrolle in der Sanierungsphase: Nachträge erkennen und managen - So vermeiden Sie teure Überraschungen

Wenn Sie ein Haus sanieren, denken Sie meist an neue Fenster, bessere Dämmung oder eine moderne Heizung. Aber was passiert, wenn unter dem alten Fußboden Schimmel entdeckt wird, der nicht in der Planung stand? Oder wenn der Dachstuhl nach dem Abtragen der Ziegelplatten plötzlich instabil ist? Solche Überraschungen sind nicht selten - und sie kosten Geld. Nachträge können bis zu 30 % der ursprünglich geplanten Kosten ausmachen. In Deutschland, wo jedes Jahr über 400.000 Wohngebäude energetisch saniert werden, ist das keine Ausnahme - sondern die Regel.

Warum entstehen Nachträge eigentlich?

Nachträge entstehen nicht, weil jemand schuldig ist. Sie entstehen, weil Sanierungen komplex sind. Altbauten haben versteckte Schäden, die erst sichtbar werden, wenn man anfängt, sie zu öffnen. Eine Wand, die wie eine normale Ziegelwand aussieht, kann in Wahrheit aus altem Lehmziegel mit feuchtem Holzgerüst bestehen. Eine Dachkonstruktion, die 1970 als stabil galt, entspricht heute nicht mehr den Lasten durch moderne Dämmstoffe. Und wenn der Bauherr plötzlich sagt: „Könnten wir doch auch die Heizkörper im Schlafzimmer wechseln?“, dann wird aus einer geplanten Maßnahme eine zusätzliche Leistung.

Laut der Deutschen Energieagentur (Dena) führen mangelnde Dokumentation und unklare Absprachen in 29,4 % aller Fälle zu Streitigkeiten über Nachträge. Oft geht es nicht um hohe Summen, sondern um fehlende Papiere. Eine mündliche Zusage zwischen Bauherr und Handwerker reicht nicht. Wenn es später ums Geld geht, zählt nur, was schriftlich steht.

Wie man Nachträge erkennt - bevor sie teuer werden

Die beste Zeit, um Nachträge zu vermeiden, ist vor dem Baubeginn. Aber das ist leicht gesagt. Wie erkennt man sie wirklich?

Erstens: Prüfen Sie den Zustand des Gebäudes vor der Planung. Ein einfacher thermischer Bildaufnahme-Scan kostet ein paar hundert Euro, aber er zeigt, wo Wärme entweicht - und wo versteckte Feuchteschäden lauern. Viele Handwerker machen das heute schon standardmäßig. Wenn Ihr Planer das nicht vorschlägt, fragen Sie nach.

Zweitens: Verwenden Sie die Bauelementmethode nach DIN 276. Diese Methode teilt das Gebäude in einzelne Bauteile auf - Fenster, Dach, Wand, Boden - und schätzt die Kosten für jedes Teil. Sie ist schnell und gibt Ihnen schon in der Planungsphase eine realistische Zahl. Die Genauigkeit liegt bei ±15 % bis ±20 %. Nicht perfekt, aber besser als eine Schätzung auf dem Küchentisch.

Drittens: Setzen Sie auf BIM - wenn es möglich ist. Building Information Modeling (BIM) ist kein Marketing-Begriff mehr. In Sanierungsprojekten steigt der Einsatz von BIM von 15,7 % im Jahr 2022 auf 38,2 % im Jahr 2024. Warum? Weil BIM automatisch Mengen berechnet. Wenn Sie ein Dach abtragen, zeigt das System sofort: „Das sind 42 m² Dachziegel, 18 m² Dämmung, 7 m² Unterkonstruktion.“ Und das mit einer Fehlerquote von unter 3 %. Das reduziert Überraschungen massiv.

Die drei wichtigsten Methoden zur Kostenkontrolle

Nicht jede Methode passt zu jedem Projekt. Aber drei sind besonders bewährt:

  1. Leistungspositionsmethode: Diese Methode ist präziser als die Bauelementmethode. Sie wird ab Leistungsphase 6 (LPH 6) angewendet, also wenn die Baupläne konkret sind. Die Genauigkeit liegt bei ±5 % bis ±10 %. Sie ist ideal, wenn Sie die Bauleistungen genau definieren wollen - etwa bei größeren Sanierungen mit mehreren Gewerken.
  2. Earned Value Analysis (EVA): Das klingt nach Projektmanagement-Jargon, ist aber ein praktisches Werkzeug. EVA misst, wie viel Arbeit Sie tatsächlich erledigt haben und wie viel das kosten sollte. Wenn Sie nach vier Wochen nur 40 % der geplanten Arbeiten erledigt haben, aber schon 60 % des Budgets verbraucht haben, dann liegt ein Problem vor. EVA sagt Ihnen das, bevor Sie das ganze Geld ausgegeben haben. Studien zeigen: Wer EVA nutzt, reduziert Kostenabweichungen um 32,6 %.
  3. Bottom-up-Schätzung: Hier wird jede einzelne Bauleistung einzeln berechnet - von der Abbrucharbeit bis zur letzten Dichtung. Wenn Sie die Gesamtkosten aus diesen Einzelpositionen zusammenrechnen, liegen die Abweichungen zwischen geschätzten und tatsächlichen Kosten oft unter 7 %. Aber: Es dauert. Sie brauchen detaillierte Pläne. Diese Methode lohnt sich für Projekte mit mehr als 50.000 € Budget.
Drei Methoden zur Kostenkontrolle bei Sanierungen: BIM-Modell, DIN 276-Checkliste und EVA-Dashboard auf einer Baustelle.

Was passiert, wenn ein Nachtrag kommt?

Ein Nachtrag ist kein Fehler. Er ist ein Teil der Sanierung. Aber er muss richtig behandelt werden.

Die HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) schreibt seit 2022 vor: Jede Änderung muss schriftlich beantragt, dokumentiert und abgezeichnet werden. Das bedeutet: Keine Handynachricht. Kein Gespräch im Hof. Kein „Wir machen das dann schon.“

Ein Beispiel aus Berlin: Ein Architekt baute ein Dach um. Der Bauherr wollte die Dachrinne etwas anders verlegen - nicht wegen technischer Notwendigkeit, sondern weil er es „schöner“ fand. Der Architekt forderte eine Änderungsanfrage, berechnete die zusätzlichen Kosten: 8.200 €. Ohne Dokumentation wäre es später 38.500 € geworden. Warum? Weil der Handwerker später behauptete, er hätte auch die gesamte Unterkonstruktion erneuern müssen - weil er „nur so“ die Rinne einbauen konnte. Mit Dokumentation: kein Streit. Ohne: Rechtsstreit.

Die Dena warnt: „Mangelnde Dokumentation führt zu durchschnittlich 19,3 % höheren Gesamtkosten.“

Was Sie wirklich brauchen: Ein Pufferbudget

Viele Bauherren denken: „Ich habe 100.000 € Budget. Ich rechne mit 10 % Nachträgen - also 110.000 €.“ Das ist falsch. Die Realität ist härter.

Prof. Dr. Stefan Rodehau von der Universität Stuttgart sagt: „Bei historischen Gebäuden können unerwartete Bauschäden bis zu 35 % der Gesamtkosten ausmachen.“

Deshalb: Rechnen Sie mit einem Puffer von 10-15 %. Das ist kein Luxus. Das ist Standard bei professionellen Sanierern. Eine Umfrage von Schwaebisch Hall (2025) zeigt: 78,3 % aller professionell geplanten Sanierungen haben einen solchen Puffer. Wer ihn nicht hat, riskiert, dass er am Ende selbst zahlen muss - oder die Sanierung abbricht.

Und: Verwenden Sie das Kostentool des GebäudeForums. Es ist kostenlos, verknüpft die Kosten mit dem Baupreisindex des Statistischen Bundesamtes und berücksichtigt Ortsfaktoren. In Ravensburg kosten die gleichen Arbeiten 18 % mehr als in Leipzig. Das Tool sagt Ihnen das. Ohne es rechnen Sie mit bundesdeutschen Durchschnittswerten - und das ist ein Fehler.

Unterzeichnete Änderungsanfrage neben einem Kosten-Tool auf einem Laptop, mit 15 % Pufferbudget als grüner Bereich hervorgehoben.

Was Sie vermeiden müssen

Hier sind die drei größten Fehler, die Sanierer machen - und die Sie vermeiden sollten:

  • Excel allein nutzen: Eine Studie des Fraunhofer IBP zeigt: Excel-basierte Planung führt zu 27,4 % höheren Nachtragskosten als moderne Tools. Warum? Weil Excel nicht automatisch aktualisiert. Wenn sich der Preis für Holz um 5 % ändert, müssen Sie alle Tabellen manuell anpassen. Das vergisst man.
  • Mündliche Absprachen vertrauen: 29,4 % aller Nachtragsstreitigkeiten entstehen aus „Wir haben das so besprochen.“ Wenn es schriftlich nicht steht, gibt es keinen Nachtrag - nur Ärger.
  • Die Baupreise ignorieren: Die Baupreise stiegen 2024 um 8,7 %. Wenn Sie im Januar 2024 ein Budget aufgestellt haben und es jetzt im Februar 2026 umsetzen, sind Ihre Zahlen veraltet. Das Statistische Bundesamt aktualisiert die Preise monatlich. Nutzen Sie diese Daten - sonst rechnen Sie mit alten Zahlen.

Was die Zukunft bringt

Die Digitalisierung im Bauwesen wächst mit 12,3 % pro Jahr. Bis 2030 werden 65-70 % aller Sanierungsprojekte professionelle Controlling-Tools nutzen. KI-basierte Systeme, die seit 2024 von 27,3 % der großen Unternehmen eingesetzt werden, analysieren alte Projekte und sagen voraus: „Bei diesem Dachtyp und diesem Alter gibt es in 83 % der Fälle versteckte Holzschäden.“

Das Fraunhofer IBP hat seine MODER-Software im März 2025 um ein Modul erweitert, das automatisch Risiken erkennt - und zwar mit 83,7 % Genauigkeit. Diese Tools werden nicht nur für Architekten. Sie werden auch für Bauherren zugänglich. In fünf Jahren wird es keine Sanierung mehr geben, die ohne digitales Controlling läuft.

Fazit: Kontrolle ist kein Luxus - sie ist die Grundlage

Kostenkontrolle in der Sanierungsphase ist kein Job für den Architekten. Sie ist Ihre Verantwortung. Wenn Sie nicht wissen, wie viel die Sanierung kostet, werfen Sie Geld weg. Wenn Sie nicht dokumentieren, werfen Sie Sicherheit weg. Wenn Sie keinen Puffer einplanen, riskieren Sie, dass die Sanierung nicht fertig wird.

Nutzen Sie die richtigen Werkzeuge. Dokumentieren Sie alles. Rechnen Sie mit dem Schlimmsten. Und vertrauen Sie nicht auf Worte - nur auf Papier.

Die besten Sanierungen sind nicht die teuersten. Sie sind die, die am Ende im Budget bleiben.

Wie hoch ist der durchschnittliche Nachtragsanteil bei energetischen Sanierungen?

Nachträge machen im Durchschnitt 15-30 % der ursprünglichen Projektkosten aus. Studien des Fraunhofer IBP zeigen, dass unvorhergesehene Bauschäden - besonders bei Altbauten - für diesen hohen Anteil verantwortlich sind. In historischen Gebäuden können sie sogar bis zu 35 % erreichen.

Welche Methode ist am besten für die Kostenermittlung?

Für die frühe Planung ist die Bauelementmethode nach DIN 276 ideal - sie ist schnell und gibt eine realistische Schätzung mit ±15-20 % Genauigkeit. Für detaillierte Planung ab LPH 6 ist die Leistungspositionsmethode mit ±5-10 % Genauigkeit präziser. BIM-gestützte Systeme liefern die höchste Genauigkeit, sind aber aufwändiger einzusetzen.

Warum ist Dokumentation so wichtig?

Ohne schriftliche Dokumentation von Änderungen entstehen Streitigkeiten. Die Dena bestätigt: 29,4 % aller Nachtragskonflikte entstehen aus mündlichen Absprachen. Die HOAI schreibt seit 2022 vor: Jede Änderung muss schriftlich beantragt, bewertet und unterschrieben werden. Nur so bleibt die Rechtslage klar.

Wie viel Pufferbudget sollte man einplanen?

Professionelle Sanierer planen mindestens 10-15 % Puffer ein. Eine Umfrage von Schwaebisch Hall (2025) zeigt, dass 78,3 % aller gut geplanten Projekte diesen Puffer nutzen. Wer weniger einplant, läuft Gefahr, dass unerwartete Schäden die Sanierung zum Stillstand bringen.

Kann ich mit Excel Kosten kontrollieren?

Ja - aber nicht effektiv. Eine Fraunhofer-Studie zeigt: Excel-basierte Planung führt zu 27,4 % höheren Nachtragskosten als moderne Controlling-Tools. Excel aktualisiert sich nicht automatisch, rechnet keine Preisänderungen mit und ist anfällig für menschliche Fehler. Für kleine Projekte reicht es - für Sanierungen über 30.000 € nicht mehr.

Welche Rolle spielen Baupreise bei Nachträgen?

Die Baupreise stiegen 2024 um 8,7 %. Wenn Sie ein Budget aus dem Jahr 2023 nutzen, sind Ihre Zahlen veraltet. Das Statistische Bundesamt aktualisiert die Preise monatlich. Wer diese Daten ignoriert, rechnet mit alten Preisen - und überschätzt das Budget. Das Kostentool des GebäudeForums verknüpft Kosten direkt mit diesen Daten - und ist daher verlässlich.

Was ist BIM und lohnt es sich für private Sanierer?

BIM (Building Information Modeling) ist eine digitale Methode, bei der alle Bauteile eines Gebäudes als 3D-Modelle mit Kosten- und Materialinformationen verknüpft werden. Es reduziert Fehlerquoten auf unter 3 %. Für private Sanierer lohnt es sich ab einem Budget von 50.000 €. Die Einarbeitung dauert 40-60 Stunden pro Beteiligtem - aber danach spart es Zeit, Geld und Stress.

Wie oft sollte man das Budget überprüfen?

Mindestens alle zwei Wochen. Die Fraunhofer IBP empfiehlt Meilenstein-Controlling: Nach jedem abgeschlossenen Bauteil (z. B. Dachabdichtung, Fenstereinbau) wird das Budget überprüft. Projekte mit wöchentlichen Reviews haben 28,4 % weniger Kostenüberschreitungen - laut IHK-Studie 2024.

Gibt es kostenlose Tools für die Kostenkontrolle?

Ja. Die MODER-Software des Fraunhofer IBP ist kostenfrei verfügbar und bietet umfassende Risiko- und Kostenanalysen. Außerdem ist das Kostentool für energetische Sanierung von Wohngebäuden vom GebäudeForum kostenlos und nutzerfreundlich. Beide Tools berücksichtigen regionale Preisunterschiede und sind ideal für Privatpersonen.

Wird sich die HOAI in Zukunft ändern?

Ja. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen kündigte im Januar 2025 eine Überarbeitung der HOAI für 2026 an. Sie wird präzisere Vorgaben für die Abrechnung von Nachträgen in Sanierungsprojekten enthalten - insbesondere für digitale Dokumentation und Kostentransparenz.