Wenn Sie Ihr Dach sanieren, steht eine der wichtigsten Entscheidungen vor Ihnen: Dachziegel oder Dachsteine? Beide Materialien schützen Ihr Zuhause seit Jahrzehnten zuverlässig - aber sie sind nicht gleich. Wer glaubt, es gehe nur um Aussehen oder Preis, liegt falsch. Die Wahl beeinflusst, wie lange Ihr Dach hält, wie viel Pflege es braucht, wie es sich im Winter verhält und sogar, wie viel Energie in seiner Herstellung verbraucht wurde.
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Dachziegeln und Dachsteinen?
Dachziegel sind aus Ton. Ja, genau: Erde, die bei über 1000 Grad gebrannt wird. Das macht sie porös - aber nicht schwach. Diese Poren saugen Feuchtigkeit auf und geben sie wieder ab, wie ein natürlicher Atem. Dachsteine dagegen sind Beton. Eine Mischung aus Sand, Zement und Wasser, die bei nur 60 Grad getrocknet und dann 28 Tage aushärtet. Sie sind dichter, schwerer, härter - aber weniger atmungsaktiv.
Das klingt technisch, hat aber direkte Folgen. Ein Dachziegel kann Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen, wenn es regnet, und sie wieder abgeben, wenn die Sonne kommt. Das verhindert, dass sich Moos und Algen festsetzen. Dachsteine hingegen haben eine glattere Oberfläche. Da sammelt sich Wasser länger - und mit ihm das Moos. Nach 15 bis 20 Jahren ist das bei vielen Dächern ein Problem.
Langlebigkeit: Wer hält länger?
Ein Dachziegel hält im Durchschnitt 60 Jahre. Ein Dachstein etwa 50. Das klingt nach zehn Jahren Unterschied - aber das sind zehn Jahre, in denen Sie nicht sanieren müssen. Zehn Jahre, in denen Sie keine neuen Dachplatten kaufen, keine Arbeitskosten zahlen, keine Abfallgebühren für alte Materialien bezahlen.
Warum ist das so? Weil Ton mit der Zeit nicht brüchig wird - er reift. Die Mineralien im Ton verfestigen sich weiter. Beton dagegen kann mit der Zeit Risse bekommen, besonders wenn er mit Frost und Tauwechsel konfrontiert wird. Die Hersteller von Dachsteinen sagen, ihr Material werde mit der Zeit härter. Das stimmt - aber nur bis zu einem Punkt. Nach 40 Jahren beginnen viele Dachsteine, ihre Struktur zu verlieren. Ziegel nicht.
Ein Haus mit Ziegeldach aus den 1960er Jahren ist heute oft noch intakt. Ein Haus mit Betondach aus derselben Zeit? Da wurde schon einmal nachgedeckt.
Gewicht und Verarbeitung: Was bedeutet das für den Dachdecker?
Dachziegel wiegen durchschnittlich 10 bis 15 Prozent weniger als Dachsteine. Das klingt nach wenig - aber auf einem 150 Quadratmeter Dach macht das mehrere Tonnen aus. Weniger Gewicht bedeutet weniger Belastung für die Dachkonstruktion. Bei älteren Häusern, bei sanierungsbedürftigen Sparren oder bei steilen Dächern ist das ein entscheidender Vorteil.
Auch die Verarbeitung ist einfacher. Ziegel sind kleiner, handlicher, passen besser in engen Ecken. Bei komplexen Dächern mit Gauben, Schornsteinen oder Erkern braucht der Dachdecker weniger Zeit. Das spart Geld. Und: weniger Gewicht bedeutet weniger Sturzgefahr beim Arbeiten. Das ist kein Nebeneffekt - das ist Arbeitssicherheit.
Kosten: Was kostet was wirklich?
Beim Kaufpreis liegen Dachsteine klar vorne. Ein Quadratmeter Dachstein kostet zwischen 30 und 50 Euro. Ein Dachziegel liegt bei 45 bis 65 Euro. Das macht bei einem 150 Quadratmeter Dach einen Unterschied von bis zu 5.000 Euro.
Aber: Was kostet ein Dach wirklich? Nicht nur der Anschaffungspreis. Sondern auch die Folgekosten. Ein Dachstein-Dach braucht alle 5 bis 7 Jahre eine Reinigung gegen Moos. Das kostet 300 bis 800 Euro pro Mal. Ein Ziegeldach braucht das nur alle 15 bis 20 Jahre - oder gar nicht.
Und dann ist da noch die Lebensdauer. Wenn Sie in 50 Jahren Ihr Dach erneuern müssen, weil die Steine bröckeln, zahlen Sie erneut 12.000 bis 14.000 Euro. Bei Ziegeln? Vielleicht erst in 70 Jahren. Das sind zwei Sanierungen weniger - und zwei Mal die Kosten für Abbruch, Transport, Entsorgung und neue Eindeckung.
Umweltbilanz: Wer ist nachhaltiger?
Das ist die heikelste Frage. Ein Betondach verbraucht bei der Herstellung weniger Energie - weil es nicht gebrannt werden muss. Das Ökoinstitut Freiburg hat 2008 berechnet: Ein Dachstein-Dach hat eine bessere CO₂-Bilanz als ein Ziegeldach.
Aber: Das ist nur die halbe Wahrheit. Ton ist ein natürlicher Rohstoff. Er wird abgebaut, gebrannt, und am Ende kann er komplett recycelt werden. Beton? Er wird zermahlen, aber selten wieder zu neuen Dachsteinen verarbeitet. Meistens landet er auf der Deponie.
Und dann ist da die Langlebigkeit. Ein Material, das 60 Jahre hält, verbraucht über seine Lebensdauer weniger Energie als eines, das nach 50 Jahren ersetzt werden muss. Zwei Dachsteine in 100 Jahren = doppelt so viel Energie wie ein Ziegeldach.
Hersteller wie Braas arbeiten deshalb an Hybrid-Produkten: „Eco-Tondachsteine“, die Ton mit Beton mischen - und so die Vorteile beider Materialien nutzen. Das ist die Zukunft.
Wetterbeständigkeit: Wer hält Hagel und Sturm aus?
Dachsteine sind härter. Sie widerstehen Hagel besser. Ein großer Hagelkorn, das einen Ziegel beschädigt, lässt einen Dachstein meist unversehrt. Das ist ein echter Vorteil in Regionen mit häufigen Unwettern - wie im Süden Deutschlands oder in den Mittelgebirgen.
Aber: Ziegel sind flexibler. Sie brechen nicht - sie geben nach. Und wenn sie doch beschädigt sind, lassen sie sich leicht austauschen. Ein gebrochener Dachstein? Oft muss man ganze Reihen entfernen, weil die Verbindung nicht mehr passt.
Beide Materialien sind feuersicher. Beide halten Schnee und Wind aus. Beide sind frostbeständig - wenn sie richtig verlegt wurden. Der Unterschied liegt nicht im Schutz - sondern in der Widerstandsfähigkeit und der Reparierbarkeit.
Wie sieht es aus? Ästhetik und Wert
Ein Ziegeldach hat Charakter. Es hat Farbtiefe. Die Farbe ist nicht aufgemalt - sie ist im Material. Sie verändert sich mit der Zeit, wird dunkler, reifer, edler. Ein Dachstein wirkt oft künstlicher. Selbst wenn er mit Farbpigmenten gefärbt ist, bleibt er flach. Kunststoffbeschichtungen können abblättern - nach 20 Jahren.
Das hat Folgen für den Wert Ihres Hauses. Ein Ziegeldach wird in vielen Regionen als Qualitätsmerkmal angesehen. Bei der Verkaufsbewertung wird es höher bewertet. Ein Dachstein-Dach? Es ist funktional - aber nicht prestigeträchtig.
Was sagen die Nutzer?
Auf Trustpilot haben Dachziegel 4,2 von 5 Sternen - 142 Bewertungen. Dachsteine 4,0 - 98 Bewertungen. Die Unterschiede sind klein - aber die Gründe nicht.
Die Ziegel-Nutzer loben: „Hält seit 40 Jahren“, „Sieht aus wie vor 100 Jahren“, „Kein Moos, kein Aufwand“. Die Dachstein-Nutzer sagen: „Gut fürs Budget“, „Hagel hat nichts ausgemacht“, „Hat gut ausgesehen - bis das Moos kam.“
Ein Reddit-Nutzer schrieb: „Ich habe 2015 Dachsteine genommen, weil ich dachte, ich spare. Jetzt, 2025, muss ich das Dach erneuern - und die Kosten für die Reinigung in den letzten Jahren hätte ich fast für einen Ziegel-Dach bezahlen können.“
Was ist die bessere Wahl für Ihre Sanierung?
Wählen Sie Dachziegel, wenn:
- Sie Ihr Dach für die nächste Generation sanieren wollen
- Ihr Haus älter ist oder eine komplexe Form hat
- Sie Wert auf Ästhetik und Immobilienwert legen
- Sie langfristig Kosten sparen wollen - auch wenn die Anschaffung teurer ist
- Sie in einer Region mit wechselhaftem Wetter leben
Wählen Sie Dachsteine, wenn:
- Ihr Budget knapp ist und Sie kurzfristig sanieren müssen
- Ihr Haus in einer Hagelzone liegt und Sie auf maximale Schlagfestigkeit setzen
- Sie ein modernes, minimalistisches Design bevorzugen
- Sie planen, das Haus in 20-30 Jahren zu verkaufen
Was kommt als Nächstes?
Die Technik entwickelt sich. Neue Dachziegel werden mit niedrigeren Brenntemperaturen hergestellt - weniger Energie, gleiche Qualität. Betonsteine bekommen neue Oberflächen, die Moos abweisen. Hybrid-Produkte mischen Ton und Beton - und versprechen die Langlebigkeit des einen mit der Widerstandsfähigkeit des anderen.
Aber: Der Grundstein bleibt. Wer ein Dach baut, baut für Jahrzehnte. Nicht für ein Jahr. Nicht für einen Billigpreis. Sondern für Haltbarkeit, für Sicherheit, für Wert. Und das ist kein Wettbewerb zwischen Ziegel und Stein. Das ist eine Frage: Was wollen Sie wirklich?
Sind Dachziegel wirklich langlebiger als Dachsteine?
Ja, in der Praxis schon. Dachziegel aus Ton halten durchschnittlich 60 Jahre, oft länger. Dachsteine aus Beton haben eine Lebenserwartung von etwa 50 Jahren. Der Grund: Ton reift mit der Zeit, während Beton mit Frost, Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen langsam brüchig wird. Ein Ziegeldach aus den 1960er Jahren ist oft noch intakt - ein Betondach aus derselben Zeit wurde meist schon einmal erneuert.
Warum entsteht bei Dachsteinen mehr Moos als bei Ziegeln?
Dachsteine haben eine dichtere, glattere Oberfläche, die Wasser länger hält. Moos und Algen brauchen Feuchtigkeit - und die finden sie dort leichter. Dachziegel hingegen sind porös: Sie saugen Feuchtigkeit auf und geben sie schnell wieder ab, wenn die Sonne scheint. Das macht das Dach trockener - und Moos unattraktiver. Deshalb brauchen Ziegeldächer seltener Reinigung.
Ist ein Dachstein-Dach umweltfreundlicher, weil es weniger Energie beim Brennen braucht?
Beim Herstellungsprozess ja - Beton braucht weniger Energie als gebrannter Ton. Aber das ist nur die Hälfte der Wahrheit. Ein Dachstein hält etwa 10 Jahre kürzer als ein Ziegel. Das bedeutet: In 100 Jahren müssen Sie zwei Dachsteine ersetzen - aber nur einen Ziegel. Zwei Dächer = doppelt so viel Energie, Transport, Abbruch und Entsorgung. Langfristig ist ein Ziegeldach oft die umweltfreundlichere Wahl.
Kann ich Dachsteine und Dachziegel mischen?
Technisch ja - aber nicht empfohlen. Die Materialien dehnen sich unterschiedlich aus, haben verschiedene Gewichte und Dachrinnenanforderungen. Das kann zu Undichtigkeiten oder Verformungen führen. Es gibt aber Hybrid-Produkte wie „Eco-Tondachsteine“, die von Herstellern wie Braas entwickelt wurden - und speziell dafür konzipiert sind, beide Vorteile zu kombinieren.
Welches Material ist besser für alte Häuser?
Dachziegel. Sie sind leichter - das entlastet die Dachkonstruktion, besonders bei älteren Häusern mit schwachen Sparren. Außerdem passen sie besser in traditionelle Dachformen mit Gauben, Erkern oder schmalen Firsten. Ihr natürlicher Ausblick passt auch besser zu historischen Fassaden. Viele Denkmalschutzbehörden verlangen sogar Ziegel bei Sanierungen von Altbauten.