Ferienwohnung vs. Langzeitmiete: Rendite, Risiken und die richtige Wahl für 2026

Stellen Sie sich vor, Sie haben gerade 450.000 Euro gespart. Die Frage ist nicht mehr *ob* Sie in eine Immobilie investieren, sondern *wie*. Legen Sie das Geld in eine gemütliche Ferienwohnung an der Ostsee, die im Sommer strahlt? Oder kaufen Sie eine solide Wohnung in einer deutschen Großstadt, die Ihnen jahrelang stabile Mieteinnahmen bringt?

Diese Entscheidung trennt viele Anleger. Auf der einen Seite lockt die Ferienwohnung mit dem Traum von Eigennutzung und hohen potenziellen Einnahmen in der Hochsaison. Auf der anderen Seite verspricht die klassische Langzeitmiete Sicherheit, weniger Aufwand und einen ruhigen Schlaf nachts. Doch wer hat wirklich recht? Schauen wir uns die nackten Zahlen an, denn Emotionen helfen bei der Renditeberechnung wenig.

Die harte Wahrheit über die Renditen

Wenn wir über Ferienwohnungen sprechen, müssen wir sofort differenzieren. Die Bandbreite ist enorm. Aktuelle Marktdaten zeigen Bruttorenditen zwischen 3,14 Prozent und 6,86 Prozent. Das klingt vielversprechend, aber wo liegen Sie konkret?

Nehmen wir ein realistisches Beispiel aus der Praxis. Eine 60 Quadratmeter große Ferienwohnung an der Ostsee kostet 450.000 Euro. Addieren wir die typischen Nebenkosten (Grunderwerbssteuer, Maklerprovision von ca. 3,57 Prozent, Notar) kommen wir auf Gesamtinvestitionskosten von rund 504.315 Euro. Diese Immobilie erzielt eine Bruttorendite von nur 3,14 Prozent. Nach Abzug der 7-prozentigen Mehrwertsteuer sinkt die Nettorendite weiter auf 2,92 Prozent. Klingt enttäuschend? Vielleicht. Aber wenn Sie die Wohnung selbst 14 Tage im Jahr nutzen (wertgeschätzt mit 95 Euro pro Nacht), steigt die effektive Netto-Rendite auf 3,22 Prozent. Noch interessanter wird es, wenn man die Eigenkapitalrendite betrachtet - also unter Berücksichtigung von Tilgung, Zinsen, Abschreibungen und Steuern. Hier liegt sie im Beispiel bei stolzen 7,69 Prozent.

Vergleichen wir das mit der Langzeitmiete. In den 50 größten deutschen Städten liegt die durchschnittliche Mietrendite aktuell bei rund 4 Prozent. Berlin erreicht 3,33 Prozent, Köln 3,53 Prozent. Die Preise sind hier so hoch, dass selbst steigende Mieten die Rendite nur langsam nach oben treiben. Anders sieht es in B-Lagen oder strukturschwächeren Regionen aus. Chemnitz führt mit 5,85 Prozent, gefolgt von Hagen (5,17 Prozent) und Wuppertal (5,08 Prozent). Hier bekommen Sie mehr Quadratmeter für Ihr Geld, was die Rendite deutlich verbessert.

Rendite-Vergleich: Ferienwohnung vs. Langzeitmiete
Anlageform Bruttorendite (Durchschnitt) Nettorendite (geschätzt) Risikoprofil Aufwand
Ferienwohnung 3,14 % - 6,86 % 2,9 % - 5,5 % Hoch (Saisonalität, Leerstand) Sehr Hoch (Management, Reinigung)
Langzeitmiete (A-Städte) 3,3 % - 3,5 % 2,5 % - 3,0 % Niedrig (Stabile Nachfrage) Niedrig (Wartungsfreiheit)
Langzeitmiete (B/Lagen) 4,8 % - 5,8 % 3,5 % - 4,5 % Mittel (Leerstandsrisiko) Mittel (Mietersuche)

Kostenfallen: Was wirklich ins Geld geht

Die Kaufpreisliste ist nur der Anfang. Bei Ferienimmobilien verstecken sich die wahren Kosten oft im Detail. Experten empfehlen als Faustregel: Bezahlen Sie maximal das 10-fache der Jahresmiete. Wenn eine Zwei-Zimmer-Wohnung auf Amrum durchschnittlich 75 Euro pro Nacht einbringt und 300 Tage vermietet ist, sind das 22.500 Euro Jahreseinnahmen. Der maximale Kaufpreis sollte also 225.000 Euro betragen. Alles darüber hinaus frisst Ihre Rendite auf.

Zu den Anschaffungskosten (Kaufpreis, Grunderwerbssteuer, Makler) kommen bei Ferienwohnungen hohe Betriebskosten hinzu. Rechnen Sie mit Instandhaltungskosten von 10 bis 15 Euro pro Quadratmeter und Jahr. Warum so viel? Weil Gäste anders mit einer Wohnung umgehen als langjährige Mieter. Möbel werden schneller kaputt, Teppiche verschmutzen, Technik wird intensiver genutzt. Zudem fallen Umlagekosten für Gemeinschaftsanlagen an, besonders bei kleineren Apartments.

Bei der Langzeitmiete sind die Kostenstrukturen transparenter. Sie haben Bewirtschaftungskosten, bilden Rücklagen für größere Renovierungen ab und planen langfristig. Es gibt keine täglichen Reinigungsbesuche, kein ständiges Bettenmachen und keine akute Panik, wenn ein Gast am Freitagabend sein Handyticket verliert. Die Mietsicherheit ist hier der Preis für diese Ruhe.

Finanzielle Analyse von Immobilienrenditen mit Rechner und Kalender

Auslastung ist alles: Der Saisonalitäts-Faktor

Das größte Risiko bei Ferienwohnungen ist der leere Kalender. Studien zeigen, dass Ferienimmobilien im Durchschnitt nur 23 Wochen pro Jahr vermietet sind. Das bedeutet: Fast die Hälfte des Jahres steht Ihre Immobilie leer. In dieser Zeit zahlen Sie weiterhin Grundsteuer, Versicherung und eventuell Kreditzinsen, ohne dass Geld hereinkommt.

Lage entscheidet hier über Leben und Tod der Rendite. Skiregionen können ganzjährig vermietet werden - im Winter Ski, im Sommer Wandern. Küstenorte wie Sylt oder die Ostseeküste leben stark von der sommerlichen Hauptsaison. Ist die Saison vorbei, bricht das Einkommen oft dramatisch ein. Im Gegensatz dazu hat ein Mieter in München oder Hamburg keinen „Urlaub“. Er zahlt jeden Monat pünktlich, unabhängig davon, ob die Sonne scheint oder Schnee fällt.

Der deutsche Tourismus boomt übrigens. Mit fast 500 Millionen Übernachtungen im Jahr 2024 wurde ein neuer Rekord aufgestellt. Das ist ein positiver Trend für Ferienimmobilien, aber er garantiert nicht, dass *Ihre* spezifische Wohnung ausgebucht ist. Gute Sichtbarkeit auf Plattformen, professionelles Marketing und exzellente Bewertungen sind heute genauso wichtig wie die Lage selbst.

Waage zeigt Aufwand und Risiko bei Ferien- vs. Langzeitmiete

Steuerliche Tricks: Wie Sie die Lasten senken

Warum erreichen einige Vermieter trotzdem attraktive Eigenkapitalrenditen von über 7 Prozent? Das Geheimnis liegt in der Steuerplanung. Bei Ferienimmobilien können Sie Abschreibungen (AfA), Tilgungskosten und Zinsen geltend machen. Wenn Sie die Immobilie gewerblich vermieten, eröffnen sich weitere Möglichkeiten zur Gewinnminderung.

Ein Profi-Tipp: Kalkulieren Sie stets mit der *erwartbaren* Jahresmiete, nicht mit der theoretischen Maximalauslastung. Sehen Sie sich ähnliche Objekte auf Portalen wie Airbnb oder Booking.com an. Wie voll sind sie wirklich? Wie hoch sind ihre Bewertungen? Diese Daten geben Ihnen einen realistischen Einblick in das Marktumfeld, bevor Sie den ersten Euro investieren.

Für Langzeitmietobjekte gelten ebenfalls steuerliche Vorteile, insbesondere durch die lineare oder degressive Abschreibung. Allerdings ist der Spielraum hier oft geringer, da die Einnahmen stabiler und vorhersehbarer sind. Der Staat sieht hier weniger „Gewerbebetrieb“ und mehr „Vermögensverwaltung“, was die steuerliche Behandlung beeinflusst.

Fazit: Welche Strategie passt zu Ihnen?

Es gibt keine pauschale Antwort. Kommt es auf pure, passive Rendite ohne eigenen Zeitaufwand an? Dann greifen Sie zur Langzeitmiete, auch wenn Sie in B-Lagen suchen müssen, um über 4 Prozent zu kommen. Akzeptieren Sie dafür vielleicht höhere Leerstandsrisiken in strukturschwachen Städten?

Oder wollen Sie aktiv sein? Haben Sie Lust darauf, Ihre Wohnung zu stylen, Fotos zu schießen, Gäste zu empfangen und Probleme zu lösen? Dann kann eine Ferienwohnung an einem Top-Standort (mit hoher Ganzjahresnachfrage!) durchaus Renditen von 5 bis 6 Prozent bringen - und Sie genießen zusätzlich Ihre eigenen Urlaubstage dort.

Vergessen Sie nicht: Eine gute Rendite ist bei Ferienimmobilien 4 bis 6 Prozent. Wenn die Mieteinnahmen Ihren Kredit selbst abbezahlen, ohne dass Sie zusätzliches Taschengeld dazugeben müssen, haben Sie ein solides Modell gefunden. Aber seien Sie ehrlich zu Ihrem Zeitbudget. Immobilieninvestment ist nie komplett passiv, aber bei Ferienwohnungen ist es definitiv kein Hobby, sondern ein zweiter Job.

Lohnt sich eine Ferienwohnung noch im Jahr 2026?

Ja, aber nur an Standorten mit ganzjähriger Nachfrage oder sehr starker Sommersaison. Der Tourismus in Deutschland wächst, doch die Konkurrenz unter Vermietern ist hart. Ohne professionelles Management und Marketing bleiben die Auslastungsquoten niedrig. Rechnen Sie mit einer realistischen Auslastung von 40-50 %, nicht mit 100 %.

Wie hoch sind die laufenden Kosten für eine Ferienwohnung?

Neben den klassischen Nebenkosten (Grundsteuer, Versicherung) sollten Sie mit 10-15 € pro m² für Instandhaltung und Verschleiß rechnen. Dazu kommen Kosten für Reinigung, Bettwäsche, Internet und ggf. ein Verwaltungsunternehmen, das 15-25 % der Einnahmen behält.

Welche Städte bieten die höchste Rendite bei Langzeitmiete?

Strukturschwächere Städte und B-Lagen führen das Ranking. Chemnitz (ca. 5,85 %), Hagen (5,17 %) und Wuppertal (5,08 %) zeigen deutlich höhere Renditen als A-Städte wie Berlin (3,33 %) oder München. Achten Sie hier jedoch auf lokale Leerstandsrisiken.

Was ist die "10-fache-Jahresmiete-Regel"?

Diese Faustregel hilft bei der Bewertung von Ferienimmobilien. Multiplizieren Sie die realistische Jahresmiete mit 10. Das Ergebnis ist der maximale Kaufpreis, den Sie zahlen sollten, um eine angemessene Rendite zu erzielen. Beispiel: 22.500 € Jahresmiete = max. 225.000 € Kaufpreis.

Kann ich eine Ferienwohnung steuerlich optimieren?

Ja. Als gewerblicher Vermieter können Sie Abschreibungen, Zinsen, Tilgung und Betriebskosten von der Steuer absetzen. Dies verbessert die Eigenkapitalrendite erheblich, auch wenn die Cashflow-Rendite zunächst moderat erscheint. Konsultieren Sie immer einen Steuerberater.