Ein altes Badezimmer mit schimmeligen Fugen, undichten Leitungen und veralteten Armaturen ist mehr als nur ein Ärgernis. Es ist ein Sicherheitsrisiko, ein Energieverlust und ein Stolperstein für den Wert deiner Immobilie. Viele Hausbesitzer in Deutschland überlegen eine Badrenovierung - doch wo fängt man an? Wie lange dauert es? Was kostet es wirklich? Und was sollte man auf keinen Fall übersehen? Hier ist der praktische Leitfaden, der dich von der ersten Planung bis zum letzten Schraubenzieher führt - Badrenovierung Schritt für Schritt, ohne Schnickschnack, nur das, was zählt.
1. Warum du deine Badrenovierung jetzt beginnen solltest
Laut einer Umfrage von OBI (2023) entscheiden sich 68 % der deutschen Hausbesitzer für eine Badrenovierung, weil die alte Ausstattung beschädigt ist. Schimmel an den Fugen, undichte Rohre, veraltete Dichtungen - das sind keine Kleinigkeiten. Sie führen zu Feuchtigkeitsschäden in der Wand, die sich unter der Fliese ausbreiten und später viel teurer zu beheben sind. 22 % renovieren aus Ästhetikgründen, aber selbst das ist oft nur der Anlass. Die wahre Motivation liegt tiefer: Komfort, Sicherheit und Wertsteigerung. Ein modernes Bad mit wassersparenden Armaturen, einer Fußbodenheizung und einer barrierefreien Dusche erhöht nicht nur deine Lebensqualität, sondern auch den Marktwert deiner Wohnung. Die durchschnittliche Lebensdauer eines renovierten Bades liegt bei 15 bis 20 Jahren - wenn du alles richtig machst. Und genau das lernst du jetzt.2. Die Planung: Nicht starten, ohne zu wissen, wohin du gehst
Viele Heimwerker beginnen mit dem Abriss - und landen nach drei Tagen mit einem Haufen Schutt und keiner Ahnung, was als Nächstes kommt. Das ist der größte Fehler. Eine gute Badrenovierung beginnt mit Planung. Und zwar mit fünf klaren Schritten:- Wo fängst du an? Messe den Raum genau. Notiere alle Fenster, Türen, Abflüsse, Heizkörper und Rohre. Zeichne einen Grundriss. Verwende kostenlose Online-Tools wie die von OBI - sie ermöglichen eine 3D-Visualisierung deines zukünftigen Bades.
- Wen beauftragst du? Rohrleitungen, Elektroinstallation, Abdichtung: Das sind Facharbeiten. Ein Elektriker muss kommen, wenn du neue Steckdosen oder Beleuchtung einbaust. Ein Installateur brauchst du, wenn du die Leitungen verlegst. Nur bei Fliesenlegen und Montage kannst du selbst Hand anlegen - wenn du Erfahrung hast.
- Welches Material? 61 % der Renovierer wählen Feinsteinzeug. Es ist kratzfest, wasserundurchlässig und sieht edel aus. Naturstein ist schön, aber teuer und pflegeaufwendig. Für den Boden: rutschfeste Fliesen mit R10 oder R11-Rutschhemmung. Für die Wände: große Formate, weniger Fugen, leichter zu reinigen.
- Wo kaufst du ein? Baustoffmärkte wie OBI, Hornbach oder toom bieten alles. Aber: Vergleiche Preise. Ein Duschwannen-Set kostet im Online-Shop oft 30 % weniger als im Laden. Kaufe nicht alles auf einmal - plane die Lieferung, damit du nicht mit Materialien überflutet wirst.
- Wie lange dauert es? Eine komplette Badrenovierung dauert 10 bis 14 Tage - wenn du alles vorbereitet hast. Aber: Trocknungszeiten sind dein größter Zeitfresser. Abdichtung braucht 24 bis 48 Stunden, Fliesenkleber 24 Stunden, Fugenmasse mindestens 24 Stunden. Plan mindestens 2 Tage Puffer ein.
3. Abriss: Der erste Schritt - und der schmutzigste
Bevor du irgendetwas installierst, muss alles raus. Alles. Waschtisch, WC, Badewanne, Dusche, alte Fliesen, Leitungen, Lichtschalter - alles. Hier wird es ernst.- Was du brauchst: Schutzausrüstung (Brille, Handschuhe, Staubmaske), Hammer, Meißel, elektrischer Bohrhammer, Abrollcontainer, Abklebefolie, Müllsäcke.
- Wie du vorgehst: Zuerst stellst du das Wasser ab. Dann entfernst du alle Einbauten. Die Dusche? Abklemmen, abheben. Die Badewanne? Mit einem Abzieher lösen, falls sie eingebaut ist. Die Fliesen? Das ist der härteste Teil. Beginne an der Decke und arbeite dich nach unten. Verwende keinen Hammer an der Dämmung - das ist gefährlich. Nutze eine Stichsäge, um die Dämmplatten sauber herauszuschneiden. So vermeidest du Schäden an den Rohren dahinter.
- Was du nicht vergessen darfst: Schimmel. Wenn du ihn siehst, ist das kein Problem der Fliese. Das ist ein Problem der Wand. Entferne die betroffene Putzschicht komplett. Lasse die Wand mindestens 3 Tage trocknen. Erst dann geht es weiter. Sonst wächst der Schimmel unter den neuen Fliesen wieder.
4. Rohinstallation: Die unsichtbare Grundlage
Jetzt ist die Zeit für die Installateure. Du kannst hier nicht sparen. Denn wenn die Rohre und Leitungen falsch verlegt sind, musst du alles wieder aufbrechen. Und das kostet mehr als eine teure Sanitärinstallation.- Wasserleitungen: Kupferrohre werden mit einer Säge durchgeschnitten. Danach entgratest du die Enden mit einem Entgräter. Die Übergänge zu den neuen Armaturen müssen exakt passen. Markiere die Einstecktiefe mit einem Stift. Dann setzt du die Presse an - und drückst zu. Das ist kein Schrauben, das ist ein Verpressen. Nur so wird es dicht.
- Abwasser: Die Abflussrohre müssen mit einem Gefälle von mindestens 2 % verlegt werden. Sonst staut sich das Wasser. Prüfe mit einer Wasserwaage. Verwende keine alten Rohre - auch wenn sie noch „funktionieren“. Sie sind verkrustet und verstopfen bald wieder.
- Elektro: Steckdosen müssen mindestens 1,20 Meter über dem Boden liegen. Die Beleuchtung sollte nicht nur hell, sondern auch feuchtigkeitsresistent sein. Ein IP44-Zertifikat ist Pflicht. Und: Lasse den Elektriker kommen. Selbst wenn du denkst, du kannst das. Du kannst es nicht.
5. Vorwand-Elemente und Wandaufbau: Die neue Basis
Die Wände sind jetzt nackt. Jetzt kommt die Vorwand. Das ist die Konstruktion, auf der später die Fliesen sitzen. Sie muss stabil, eben und wasserdicht sein.- Was du brauchst: Trockenbauplatten (mindestens 12,5 mm dick), Holz- oder Metallständerwerk, Schnellbauschrauben, Unterlegscheiben.
- Wie du es machst: Die Platten werden mit einem Fugenversatz verlegt - das heißt, die Naht der oberen Reihe liegt nicht über der Naht der unteren. So wird die Wand stabiler. Der Abstand zwischen den Schrauben darf maximal 25 cm betragen. Die Schraubenköpfe müssen mit Unterlegscheiben abgedeckt werden, damit die Platte nicht bricht.
- Unebenheiten ausgleichen: Wenn der Boden nicht flach ist, setzt du Mörtelbatzen (maximal 30 cm Abstand) auf die Rückseite der Platten. So wird die Wand eben. Keine Kissen, keine Holzstücke - nur Mörtel. Sonst wackelt alles später.
6. Abdichtung: Der entscheidende Schritt, den fast alle unterschätzen
Du hast die Wände aufgebaut. Du hast die Rohre verlegt. Jetzt kommt der Moment, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet: Die Abdichtung.- Was du brauchst: Zwei-Komponenten-Spachtelmasse (z. B. von Sika oder Weber), Fugenbürste, Spachtel, Schleifpapier.
- Wie du es machst: Alles, was mit Wasser in Berührung kommt, muss abgedichtet werden: Fugen zwischen Wand und Boden, Schraubenköpfe, Übergänge zu Rohren, Ecken, Dusche. Trage die Masse lückenlos auf. Keine Stelle darf trocken bleiben. Verwende die Fugenbürste, um in jede Ecke zu kommen. Lasse die Masse 24 Stunden trocknen. Dann schleifst du sie leicht an - nur so, dass sie glatt ist. Kein Sandpapier, nur feines Schleifpapier. Danach kommt die Fliese.
7. Boden und Wände verfliesen: Der sichtbare Teil
Jetzt wird es schön. Die Fliesen kommen. Aber Achtung: Die richtige Verlegung ist entscheidend für die Langlebigkeit.- Fliesenwahl: Große Formate (z. B. 60 x 60 cm oder 80 x 80 cm) verleihen Raumgefühl und haben weniger Fugen. Weniger Fugen = weniger Schimmel.
- Fliesenkleber: Nutze einen flexiblen, wasserfesten Kleber. Nicht den billigen vom Discounter. Der reißt nach einem Jahr.
- Verlegung: Beginne immer von der Tür weg. So siehst du den Raum von der schönsten Seite. Verwende Kreuzchen, um die Fugen gleichmäßig zu halten. Lasse mindestens 24 Stunden Trockenzeit, bevor du fügst.
- Fugen: Nutze eine wasserdichte Fugenmasse mit Antischimmel-Wirkung. Die Farbe soll zur Fliese passen - aber nicht zu hell. Ein leicht grauer Ton ist ideal. Nach dem Verfugen: 48 Stunden nicht duschen.
8. Sanitär und Armaturen montieren: Die Krone des Bades
Jetzt kommen Waschtisch, WC, Dusche und Badewanne. Die Montage ist einfach - wenn du die Details kennst.- Badewanne: Der Träger wird mit Montagekleber auf dem Boden fixiert. So gleicht er kleine Unebenheiten aus. Nie mit Schrauben befestigen - das reißt die Abdichtung.
- Dusche: Die Duschwanne muss mit Gefälle zur Ablauföffnung verlegt werden. Prüfe mit der Wasserwaage. Der Abfluss wird mit einem Dichtungsring und einer Schraubverbindung montiert. Nicht einfach reindrücken.
- Waschtisch: Der Wandhängewaschtisch wird mit Haken an der Wand befestigt. Die Rohre werden mit 7-maligem Hanf- oder Teflonband umwickelt. Das ist keine Option. Das ist Pflicht. Sonst tropft es. Und das wird zum Problem.
9. Endmontage und Kontrolle: Der letzte Schliff
Alles ist drin. Jetzt kommt der letzte Schritt: die Details.- Beleuchtung: LED-Leuchten mit warmem Licht (3000 K) schaffen eine entspannte Atmosphäre. Vermeide kaltes Licht - das macht das Bad kalt.
- Accessoires: Handtuchhalter, Seifenspender, Toilettenpapierhalter. Alles mit Bohrloch. Keine Klebehalter - die halten nicht.
- Prüfung: Öffne alle Wasserhähne. Lasse das Wasser 5 Minuten laufen. Schau nach Lecks. Prüfe die Abflüsse. Drücke die Dichtungen. Wenn alles trocken bleibt, hast du es geschafft.
Kosten, Dauer und häufige Fehler
Eine komplette Badrenovierung kostet zwischen 8.000 und 15.000 Euro. Der größte Posten: die Rohinstallation - 35 bis 40 % der Kosten. Die meisten Heimwerker unterschätzen die Kosten für Schimmelbeseitigung. Das kostet durchschnittlich 1.200 Euro extra - und wird oft nicht eingeplant. Die durchschnittliche Dauer: 10 bis 14 Tage. Aber: Wenn du nicht planst, dauert es drei Wochen. Und wenn du die Trocknungszeiten ignorierst, wirst du nach drei Monaten wieder renovieren. Häufige Fehler:- Keine Abdichtung - oder zu wenig.
- Falsche Fliesenwahl (zu klein, zu glatt).
- Kein Gefälle beim Abfluss.
- Armaturen mit zu wenig Hanf oder Teflonband.
- Keine Prüfung nach der Montage.
Ein gut renoviertes Bad hält 15 bis 20 Jahre. Ein schlecht renoviertes - nur 5. Mach es richtig. Von Anfang an.
Wie lange dauert eine Badrenovierung durchschnittlich?
Eine komplette Badrenovierung dauert in der Regel 10 bis 14 Tage, wenn alles gut vorbereitet ist. Der größte Zeitfaktor sind die Trocknungszeiten: Abdichtung (24-48 Stunden), Fliesenkleber (24 Stunden), Fugenmasse (mindestens 24 Stunden). Wenn du diese Zeiten unterschätzt, läuft die Renovierung über mehrere Wochen auseinander.
Welche Materialien sind am langlebigsten für ein Bad?
Feinsteinzeug ist das beliebteste und langlebigste Material für Böden und Wände. Es ist kratzfest, wasserundurchlässig und benötigt kaum Pflege. Naturstein ist zwar schön, aber anfällig für Flecken und Verfärbungen. Für Armaturen und Duschkopf empfiehlt sich Edelstahl oder massives Messing mit Pulverbeschichtung - das hält jahrzehntelang. Vermeide lackierte Oberflächen - sie kratzen und verlieren ihren Glanz.
Kann man eine Badrenovierung wirklich selbst machen?
Ja - aber nur teilweise. Du kannst Fliesen legen, Möbel montieren, Accessoires anbringen und die Abdichtung auftragen. Aber: Rohrleitungen, Elektroinstallation, Abwasser- und Wasseranschluss müssen von Fachleuten gemacht werden. Ein falsch verlegter Abfluss oder eine undichte Leitung kann zu massiven Schäden führen. Lasse die Technik den Profis - du machst die Optik.
Wie viel kostet eine Badrenovierung?
Eine komplette Badrenovierung kostet zwischen 8.000 und 15.000 Euro. Die größten Kostenposten sind die Rohinstallation (35-40 %), die Sanitärgegenstände (20-25 %) und die Fliesen (15-20 %). Wenn du Schimmel oder Feuchtigkeitsschäden hast, rechne mit zusätzlichen 1.000 bis 1.500 Euro für die Sanierung der Wandkonstruktion. Eine Eigenleistung kann bis zu 40 % der Kosten sparen - aber nur, wenn du die richtigen Schritte kennst.
Was ist der häufigste Fehler bei einer Badrenovierung?
Der häufigste Fehler ist, die Abdichtung zu vernachlässigen. Viele Heimwerker denken, Fliesen halten das Wasser zurück. Aber das ist falsch. Die Abdichtung unter den Fliesen ist die einzige Barriere gegen Feuchtigkeit. Wenn du sie nicht lückenlos aufbringst - oder zu wenig trocknen lässt - entsteht Schimmel in der Wand. Und den zu entfernen, kostet mehr als die gesamte Renovierung.