Mehrschichtverbundrohre verlegen: Biegeradien und Fittings richtig einsetzen

Wenn du eine neue Wasserleitung verlegst, willst du schnell, sauber und dauerhaft arbeiten. Mehrschichtverbundrohre machen das möglich - aber nur, wenn du sie richtig biegst und verbindest. Viele Installateure wechseln heute von Kupfer zu diesen Rohren, weil sie bis zu 71 % Zeit sparen. Doch wer den Biegeradius falsch einhält oder die Enden nicht sauber bearbeitet, riskiert Lecks - und das kostet mehr als Zeit: Geld und Nerven.

Was ist ein Mehrschichtverbundrohr?

Ein Mehrschichtverbundrohr besteht aus fünf Schichten: innen und außen liegt Polyethylen, dazwischen eine dünne Aluminiumschicht. Diese Kombination verbindet das Beste aus zwei Welten: Die Kunststoffschichten sind korrosionsfrei und hygienisch, die Aluminiumschicht gibt dem Rohr Formstabilität. Keine Schweißnaht, kein Risiko durch Oxidation. Das ist der Grund, warum sie heute in 43 % aller neuen Trinkwasseranlagen in Deutschland verbaut werden - laut Deutschem Sanitärwirtschaftsverband 2023.

Die gängigsten Größen sind 12 mm, 16 mm, 20 mm und 25 mm. Die 20-mm-Variante, auch „20er Alu“ genannt, ist die meistverwendete. Sie passt perfekt in Wohnungen und Einfamilienhäuser. Mit einem Durchmesser von 20 mm lässt sich der Wasserfluss gut steuern, ohne dass du zu viele Fittings brauchst.

Warum Biegen statt Fittings?

Bei Kupferrohren musst du jede Richtungsänderung mit einem Bogen, einem 90-Grad-Fitting oder einem T-Stück verbinden. Jedes davon ist ein potenzieller Leckagepunkt. Bei Mehrschichtverbundrohren kannst du fast jede Kurve einfach biegen - und das von Hand. Das reduziert den Fitting-Bedarf um bis zu 60 %. Installateurmeister Thomas Weber aus München sagt: „Seit ich nur noch biege, sind meine Montagekosten um 22 % gesunken.“

Warum ist das so wichtig? Weniger Fittings bedeuten weniger Verbindungen - und das heißt weniger Stagnationszonen im Wasser. Dr. Hans Müller vom Institut für Sanitärtechnik in Stuttgart bestätigt: „Durch Biegen statt Fittings wird die Gefahr von bakterieller Besiedlung, wie Legionellen, auf ein Minimum reduziert.“

Was ist der richtige Biegeradius?

Der Biegeradius ist der kleinste Radius, den du ohne Beschädigung erreichen kannst. Bei älteren Systemen galt: 8-facher Rohrdurchmesser. Bei einem 20-mm-Rohr also 160 mm Radius. Aber die Technik hat sich weiterentwickelt. Neuere Systeme wie das Uponor Uni Pipe PLUS mit SACP-Technologie erreichen jetzt einen Biegeradius von nur noch 6-fachem Durchmesser - also 120 mm bei 20 mm Rohr.

Das ist kein kleiner Unterschied. Ein kleinerer Radius bedeutet: Du brauchst weniger Platz, kannst enge Ecken umgehen und hast weniger Materialverbrauch. Aber: Nur, wenn du die Werkzeuge und Technik kennst. Ein zu enger Bogen reißt die Aluminiumschicht - und das Rohr ist hin. Kein Leck sofort, aber später, wenn das Wasser drückt.

Praktischer Tipp: Markiere dir mit einem Zollstock oder einer Wasserwaage die Stelle, wo die Biegung beginnen soll. Lege die Markierung genau an die Biegebacke an. Und: Biege immer ein bisschen weiter als du brauchst. Das Rohr federt leicht zurück - etwa 2 bis 5 Grad. Ein erfahrener Installateur sagt: „Wenn du 90 Grad willst, biegst du 95.“

Wie biegst du das Rohr richtig?

Du brauchst kein teures Biegegerät. Ein einfacher Biegehaken oder eine Biegefeder reichen aus - besonders bei 16 mm und 20 mm Rohren. Manche nutzen sogar die Kante einer Werkbank. Wichtig ist nur: Die Biegung muss gleichmäßig sein, keine Falten, keine Einkerbungen.

Vermeide es, das Rohr mit einem Schraubstock zu fixieren und mit Gewalt zu biegen. Das verformt die Innenwand. Das Ergebnis? Ein verengter Durchmesser - und das Wasser fließt schlechter. Das ist besonders kritisch bei Heizungsanlagen, wo die Temperaturunterschiede den Druck erhöhen.

Wenn das Rohr gedämmt ist - etwa in Fußbodenheizungen - musst du die Dämmung an der Biegestelle entfernen. Haustechnikdialog.de berichtet von Nutzern, die das vergessen haben: „Die Dämmung hat sich verformt, das Rohr hat sich nicht frei bewegen können - und nach einem Jahr war es undicht.“ Lösung: Schneide die Dämmung exakt auf den Biegeradius zu, biege das Rohr, und klebe die Dämmung danach wieder an. Es ist ein zusätzlicher Schritt - aber nötig.

Sauberes Schneiden eines Mehrschichtrohrs mit ROTHENBERGER ORBIT 2 und Kalibrierdorn im Einsatz.

Wie schneidest du das Rohr sauber?

Ein schlechter Schnitt ist die häufigste Ursache für Undichtigkeiten. 78 % aller Leckagen bei Mehrschichtverbundrohren gehen auf unsachgemäße Endbearbeitung zurück, wie Prof. Klaus Richter von der TU München feststellt. Das Rohr muss im exakten 90-Grad-Winkel geschnitten sein. Keine Schrägen, keine Rillen, kein Plastikabrieb.

Ein billiger Rohrschneider aus dem Baumarkt reicht nicht. Er zieht die Schicht ab, verformt das Rohr und hinterlässt einen ungleichmäßigen Rand. Der ROTHENBERGER ORBIT 2 ist der Standard in der Branche - er schneidet sauber, ohne Druck. Alternativ: Ein spezieller Mehrschichtrohrschneider mit Führungsschiene. Die Schnittfläche muss glatt, eben und ohne Grat sein.

Danach kommt der Kalibrierdorn. Das ist kein Extra, das ist Pflicht. Der Dorn öffnet die Innenwand wieder, entfernt den Kunststoffabrieb und stellt den Originaldurchmesser wieder her. Ohne Kalibrieren passt das Fitting nicht richtig. Und wenn das Fitting nicht passt, wird es undicht - auch wenn du es noch so fest presst.

Welche Fittings verwendest du?

Mehrschichtverbundrohre werden mit Pressfittings verbunden. Das sind keine Schraubverbindungen, keine Löten, keine Kleben. Es ist eine permanente, nicht lösbare Verbindung. Das Fitting wird mit einem Presszange umgeformt - und presst die Aluminiumschicht gegen die Innenwand des Rohrs. Das sorgt für Dichtheit und Halt.

Wichtig: Nur Fittings verwenden, die vom Rohrhersteller freigegeben sind. Ein Uponor-Rohr mit einem WIRSBO-Fitting? Nicht zulässig. Die Materialien und Dichtungsprofile sind nicht kompatibel. Die Folge: Leckage - und keine Garantie.

Die Marktführer sind Uponor (28 % Marktanteil), WIRSBO (22 %) und Geberit (19 %). Ihre Systeme sind aufeinander abgestimmt. Nutze das komplette System - Rohr, Fitting, Werkzeug. Das ist kein Luxus, das ist Sicherheit.

Was ist mit der Befestigung?

Wenn du das Rohr an der Wand oder Decke befestigst, achte auf die Dämmung. Ein 20-mm-Rohr mit Dämmung hat einen Außendurchmesser von etwa 28 mm. Eine Rohrschelle für 20 mm wird die Dämmung einklemmen - und das Rohr kann sich nicht mehr ausdehnen. Das führt zu Spannungen, und nach einigen Monaten reißt die Dichtung.

Wähle daher immer eine Schelle, die 5 mm größer ist als der Außendurchmesser. Bei 20-mm-Rohr mit Dämmung: 25-28 mm Schelle. So bleibt Luft zwischen Dämmung und Klammer - und das Rohr kann sich frei bewegen. Das ist entscheidend für die Lebensdauer.

Richtig verlegtes Mehrschichtrohr mit Dämmung und passender Schelle im Wandinneren, ohne Fittings.

Was passiert, wenn du es falsch machst?

Ein falsch gebogenes Rohr: Kein Leck sofort. Aber nach einem Jahr, wenn das Wasser drückt, knackt die Aluminiumschicht. Dann fängt es an zu tropfen - und du findest es erst, wenn die Wand feucht ist.

Ein schlecht geschnittenes Ende: Der Kunststoffabrieb sammelt sich im Fitting. Nach ein paar Wochen blockiert er die Durchgängigkeit. Das Wasser fließt nur noch langsam - oder gar nicht mehr.

Ein nicht kalibrierter Schnitt: Das Fitting sitzt locker. Du denkst, du hast es festgepresst. Aber die Dichtung liegt nicht richtig an. Nach drei Monaten: Wasser im Keller.

Das sind keine Ausnahmen. Das sind die Standardfehler. Und sie passieren fast immer, wenn jemand ohne Erfahrung oder ohne die richtigen Werkzeuge anfängt.

Wann ist es nicht die richtige Lösung?

Mehrschichtverbundrohre sind ideal für Trinkwasser, Heizung und Fußbodenheizung. Aber nicht für heiße Dampfleitungen oder Industrieanlagen mit hohen Temperaturen. Sie sind auch nicht für Außeninstallationen geeignet, wenn sie nicht geschützt sind - UV-Licht zersetzt das Polyethylen mit der Zeit.

Und: Wenn du in einem Altbau mit sehr engen Schächten arbeitest, wo du keine Biegegeräte reinbekommst, kann Kupfer noch sinnvoller sein. Aber das ist heute die Ausnahme.

Was bringt die Zukunft?

Die Technik wird noch besser. Neuere Systeme haben geringere Biegeradien, leichtere Materialien und bessere Dämmungsintegration. Bis 2027 soll der Markt jährlich um 6,3 % wachsen. Die Nachfrage nach schnelleren, saubereren und günstigeren Lösungen treibt das an.

Die Zukunft liegt in Systemen, die Biegen, Schneiden und Pressen noch einfacher machen - mit Smart-Tools, die den richtigen Druck automatisch erkennen. Aber der Grund bleibt: Wer das Rohr richtig verlegt, spart Zeit, Geld und Ärger.

Wie groß ist der minimale Biegeradius bei einem 20-mm-Mehrschichtverbundrohr?

Bei modernen Systemen wie Uponor Uni Pipe PLUS beträgt der minimale Biegeradius 6-fach den Rohrdurchmesser - also 120 mm bei 20 mm Rohr. Ältere Systeme benötigen 8-fach, also 160 mm. Im Zweifel immer die Herstellerangabe prüfen - zu enge Bögen beschädigen die Aluminiumschicht.

Darf ich ein Mehrschichtverbundrohr mit einem normalen Rohrschneider schneiden?

Nein. Ein normaler Rohrschneider zieht die Schichten auseinander und hinterlässt einen ungleichmäßigen, geriffelten Schnitt. Das führt zu Undichtigkeiten. Nutze einen speziellen Mehrschichtrohrschneider wie den ROTHENBERGER ORBIT 2 - er schneidet sauber und im exakten 90-Grad-Winkel.

Warum muss ich das Rohr nach dem Schneiden kalibrieren?

Beim Schneiden verformt sich die Innenschicht leicht. Der Kalibrierdorn öffnet sie wieder auf den Originaldurchmesser und entfernt Kunststoffabrieb. Ohne Kalibrieren passt das Fitting nicht richtig - und es wird undicht, auch wenn du es fest presst.

Kann ich Mehrschichtverbundrohre mit Kupfer-Fittings verbinden?

Nein. Die Fittings müssen vom gleichen Hersteller wie das Rohr stammen. Jeder Hersteller nutzt andere Dichtungsprofile und Materialkombinationen. Mischungen führen zu Undichtigkeiten und entziehen die Garantie. Nutze immer das komplette System: Rohr, Fitting, Werkzeug.

Brauche ich eine spezielle Zange zum Pressen?

Ja. Jeder Hersteller hat eigene Pressfittings und dazu passende Presszangen. Eine universelle Zange funktioniert oft nicht präzise genug. Die Presskraft muss genau stimmen - sonst wird das Fitting nicht dicht. Investiere in die richtige Zange - sie ist die wichtigste Investition nach dem Rohr selbst.

Wie vermeide ich Leckagen bei gedämmten Rohren?

Beim Biegen von gedämmten Rohren muss die Dämmung an der Biegestelle exakt herausgeschnitten werden. Sonst wird sie verformt, das Rohr kann sich nicht frei bewegen, und es entstehen Spannungen. Nach dem Biegen klebst du die Dämmung wieder an - mit speziellem Kleber oder Klebeband. Ignoriere diesen Schritt nicht - er verhindert spätere Leckagen.