Stellen Sie sich vor, Ihre monatliche Heizrechnung sinkt von 480 Euro auf 120 Euro - ohne dass Sie Ihre Wohnung umrüsten oder den Komfort opfern. Das ist kein Traum, sondern Realität für viele Hausbesitzer in Deutschland, die ihre alte Elektroheizung durch eine Wärmepumpe ersetzen. Doch ist das wirklich für jedes Haus sinnvoll? Und was kostet es wirklich, wenn man alle Faktoren berücksichtigt - nicht nur die Anschaffung, sondern auch die notwendigen Umbauten, die Förderung und die langfristigen Einsparungen?
Warum lohnt sich der Austausch überhaupt?
Elektroheizungen, besonders Nachtspeicheröfen aus den 70er und 80er Jahren, waren damals günstig zu installieren. Sie brauchten keine Rohre, keinen Kessel, keine Brennstofflagerung. Aber sie verbrauchen Strom - und zwar direkt, ohne irgendeine Effizienzsteigerung. 1 kWh Strom ergibt genau 1 kWh Wärme. Das ist, als würde man einen Wasserschlauch mit einem Eimer füllen und dann den Inhalt wieder ausgießen - kein Gewinn, nur Verlust. Eine Wärmepumpe hingegen holt Wärme aus der Luft, dem Boden oder dem Grundwasser und verstärkt sie mit Strom. Sie produziert mit 1 kWh Strom bis zu 5 kWh Wärme. Das nennt man einen COP von 4,5 - und das macht den Unterschied. Wer heute mit einer Elektroheizung 18.000 kWh pro Jahr verbraucht, zahlt bei 32 Cent pro kWh fast 5.800 Euro im Jahr. Mit einer Wärmepumpe sind es nur noch 1.400 Euro. Das ist eine Ersparnis von über 4.300 Euro jährlich. Das ist kein theoretisches Modell. Ein Nutzer aus München, der 2023 seine alte Elektroheizung austauschte, berichtet: „Nach 7,2 Jahren war die Wärmepumpe voll amortisiert. Ich spare jetzt jedes Jahr mehr als 4.000 Euro.“Was kostet der Austausch wirklich?
Die Anschaffungskosten einer Wärmepumpe klingen erstmal hoch: zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Der Preis hängt stark davon ab, ob Sie ein modernes Haus oder einen Altbau haben.- Ein Einfamilienhaus mit guter Dämmung: 10.200-13.000 Euro (inkl. Förderung)
- Ein Altbau ohne Sanierung: 16.000-22.000 Euro
- Hydraulischer Abgleich: 1.200 Euro
- Thermische Beratung & Konzept: 300-600 Euro
- Warmwasserspeicher (wenn nicht vorhanden): 800-1.500 Euro
Förderung: Bis zu 45 Prozent zahlt der Staat
Hier wird’s spannend. Seit September 2023 gibt es eine neue BAFA-Förderung: Wer eine Elektroheizung durch eine Wärmepumpe ersetzt, bekommt 45 Prozent der Investitionskosten zurück - bis zu 30.000 Euro. Das ist mehr als je zuvor. Dazu kommt das Sofortprogramm Elektroheizungsaustausch seit Oktober 2023: Haushalte mit einem Jahreseinkommen unter 40.000 Euro erhalten zusätzlich 2.000 Euro Prämie. Und die KfW bietet noch ein zinsgünstiges Darlehen von bis zu 60.000 Euro an - das können Sie sogar mit BAFA kombinieren. Beispiel: Sie investieren 18.500 Euro. BAFA zahlt 45 % = 8.325 Euro. Das Sofortprogramm gibt 2.000 Euro dazu. Sie zahlen also nur noch 8.175 Euro - fast die Hälfte des ursprünglichen Preises.
Was muss vorher getan werden?
Sie können nicht einfach die alte Heizung abmontieren und die Wärmepumpe einbauen. Der Prozess ist strukturiert:- Bedarfsanalyse: Ein Heizungsfachbetrieb prüft Ihren Heizbedarf, die Dämmung und die bestehende Elektroinstallation. Kosten: 150-300 Euro (oft kostenlos, wenn Sie den Auftrag erteilen).
- Technisches Konzept: Der Fachmann erstellt ein detailliertes Planungsdokument - inklusive Leistungsberechnung, Anschlussplan und Förderantrag.
- Förderantrag stellen: BAFA und KfW brauchen 6-8 Wochen, um den Antrag zu prüfen. Sie müssen den Antrag vor der Bestellung der Wärmepumpe stellen - sonst verlieren Sie die Förderung.
- Netzanpassung: Falls nötig, wird der Stromanschluss auf 3-Phasen umgerüstet.
- Installation: Die Wärmepumpe wird in 1-3 Tagen eingebaut. Die alte Elektroheizung wird abgebaut und entsorgt.
- Abnahme & Abrechnung: Der Fachbetrieb meldet die Installation ab. Danach erhalten Sie die Fördergelder.
Wann lohnt sich der Austausch nicht?
Es gibt Situationen, in denen der Austausch nicht sinnvoll ist - und das wird oft unterschätzt. Wenn Ihr Haus schlecht gedämmt ist, arbeitet die Wärmepumpe im Winter ständig auf Volllast. Bei Temperaturen unter -5°C schaltet sie auf elektrische Zusatzheizung um - und dann verbraucht sie fast so viel Strom wie die alte Elektroheizung. Ein Nutzer aus Hamburg berichtet: „Ich dachte, ich spare 70 Prozent. Tatsächlich waren es nur 35 Prozent - weil meine Wände wie ein Sieb sind.“ Experten wie Dr. Silke Rüberg vom ZSW warnen: „In Altbauten ohne Dämmung kann die Amortisationszeit auf 12-15 Jahre ansteigen. Dann lohnt sich die Investition nicht mehr.“ Auch wenn Ihre Stromrechnung noch niedrig ist - etwa weil Sie eine PV-Anlage haben - kann der Austausch sinnvoll sein. Aber wenn Sie keinen Platz für eine Wärmepumpe haben (kein Außenbereich für die Außeneinheit) oder die Nachbarn einen starken Lärmanspruch haben, ist eine Luft-Wasser-Wärmepumpe nicht die beste Wahl. Dann könnte eine Boden-Wasser-Wärmepumpe sinnvoller sein - aber die kostet 3.000-6.000 Euro mehr.Was passiert mit der alten Elektroheizung?
Die alte Heizung wird nicht einfach auf den Müll geworfen. Sie muss fachgerecht entsorgt werden. Die meisten Installateure übernehmen das im Preis. Die Metallteile werden recycelt, die Heizstäbe und Isoliermaterialien werden als Sondermüll behandelt. In manchen Fällen können Sie sogar die alten Heizkörper als Alteisen verkaufen - etwa 50-100 Euro pro Heizkörper. Wichtig: Die alte Elektroheizung darf nicht einfach abgeschaltet und liegen gelassen werden. Sie muss vollständig abgebaut werden, da sie noch Strom führen kann - ein Sicherheitsrisiko.
Wie sicher ist die Technik?
Wärmepumpen sind heute sehr zuverlässig. Die durchschnittliche Lebensdauer liegt bei 15-20 Jahren. Die meisten Hersteller bieten 5-10 Jahre Garantie auf den Kompressor - das Herz der Wärmepumpe. Auf Trustpilot haben Nutzer Wärmepumpen mit 4,2 von 5 Sternen bewertet. Besonders gelobt werden:- Die Zuverlässigkeit (4,5 Sterne)
- Die Energieeffizienz (4,3 Sterne)
- Der Komfort (keine Kohle, kein Öl, kein Lärm von Brennern)
- Die hohen Installationskosten (3,1 Sterne)
- Die Komplexität der Wartung (3,4 Sterne)
- Die Abhängigkeit von Strompreisen (3,0 Sterne)
Was kommt als Nächstes?
Die Technik entwickelt sich weiter. Neue Wärmepumpen mit KI-Regelung passen sich automatisch an - sie nutzen den Strom, wenn er günstig ist, etwa wenn die Sonne scheint und Ihre PV-Anlage überschüssigen Strom liefert. Fraunhofer ISE hat in Tests gezeigt: Solche Systeme senken die Heizkosten um weitere 15 Prozent. Bis 2030 will die Bundesregierung 6 Millionen Wärmepumpen in Deutschland installiert haben. Der Markt wächst jährlich um 25 Prozent. Wer jetzt umrüstet, ist nicht nur sparsam - er ist zukunftssicher.Frequently Asked Questions
Kann ich meine alte Elektroheizung einfach abschalten und eine Wärmepumpe einbauen?
Nein. Sie müssen eine detaillierte Bedarfsanalyse durchführen, den Stromanschluss prüfen lassen und den Heizkörperkreis anpassen. Außerdem muss der Förderantrag vor der Bestellung gestellt werden. Sonst verlieren Sie die staatliche Unterstützung.
Brauche ich eine neue Fußbodenheizung?
Nicht unbedingt. Aber Ihre bestehenden Heizkörper müssen groß genug sein, um bei niedriger Vorlauftemperatur (35-45°C) genug Wärme abzugeben. Wenn Ihre Heizkörper klein oder alt sind, sollten Sie sie austauschen oder vergrößern. Das kostet 2.000-5.000 Euro, aber es lohnt sich für die Effizienz.
Wie lange hält eine Wärmepumpe?
Eine moderne Wärmepumpe hält 15 bis 20 Jahre. Der Kompressor ist das wichtigste Bauteil - er hat meist 5-10 Jahre Garantie. Mit regelmäßiger Wartung (alle 1-2 Jahre) können Sie die Lebensdauer verlängern.
Kann ich die Förderung auch bekommen, wenn ich eine Luft-Luft-Wärmepumpe kaufe?
Nein. Die BAFA-Förderung gilt nur für Luft-Wasser- oder Boden-Wasser-Wärmepumpen, die an die bestehende Heizungsanlage angeschlossen werden. Luft-Luft-Wärmepumpen, die nur die Raumluft erwärmen, werden nicht gefördert - sie sind keine Heizungsersatzlösung im Sinne des GEG.
Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe im Winter?
Bei einem Einfamilienhaus mit 18.000 kWh Heizbedarf verbraucht eine Wärmepumpe im Jahr etwa 4.000-4.500 kWh Strom - das ist weniger als ein E-Auto. Im Hochwinter, bei Minusgraden, kann der Verbrauch kurzfristig steigen, wenn die Zusatzheizung einschaltet. Aber das ist nur ein kleiner Teil des Jahresverbrauchs.
Ist eine Wärmepumpe laut?
Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen sind so leise wie ein Kühlschrank - etwa 40-45 Dezibel. Das ist weniger als ein Gespräch in der Küche. Aber die Außeneinheit sollte mindestens 1 Meter von Fenstern und Nachbargrundstücken entfernt installiert werden. Bei schlecht montierten Geräten kann es zu Vibrationen und unangenehmen Geräuschen kommen - deshalb ist die fachgerechte Installation entscheidend.